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Hackl’n bis zum Umfallen: Wie Schwarz-Blau dein Leben ruiniert!

Mit der Einführung des 12-Stunden-Tages und der 60 Stunden-Woche hat Schwarz-Blau den größten Wunsch ihrer Großsponsoren erfüllt. Für ArbeitnehmerInnen heißt das längere Tage, weniger Zuschläge, schlechtere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und höhere Gesundheitsrisiken. Der steirische Spitzenkandidat zur Nationalratswahl Jörg Leichtfried über diesen Verrat an den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und was die Sozialdemokratie dagegen tun wird.

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12-Stunden-Tag

12-Stunden-Tag: So hat Schwarz-Blau Dich verraten

  • Das Gesetz erlaubt Arbeitszeiten von bis zu 12 Stunden pro Tag, rechnet man die erhöhten, zumutbaren Arbeitswege ein sind es sogar 14 Stunden. ArbeiterInnen und Angestellte dürfen zusätzlich bis zu 60 Stunden in der Woche arbeiten. 
  • Schwarz-Blau hat immer behauptet, dass sei natürlich alles freiwillig. Die Realität sieht anders aus, nur für die jeweils 11. und 12. Stunde gilt ein Ablehnungsrecht der ArbeitnehmerInnen – und es hat bereits mehrere Fälle gegeben, in denen ArbeitnehmerInnen gekündigt wurden, als sie 12-Stunden-Tage abgelehnt haben. Einige Betroffene haben mir direkt geschildert, dass sie völlig ausgelaugt sind, sich aber nicht trauen nein zu sagen, aus Angst ihren Job zu verlieren. Der Druck, der von manchen Betrieben auf die ArbeitnehmerInnen ausgeübt wird, ist meiner Meinung nach unerhört.
  • Auch bei der Gleitzeit gibt es Verschlechterungen. Es gilt nun eine Normalarbeitszeit von 12 Stunden, fünfmal in der Woche, wer also 60 Stunden in der Woche arbeitet, hat keine einzige Überstunde gemacht und bekommt damit auch keine Überstundenzuschläge.
  • In Betrieben ohne Betriebsrat können die ChefInnen an bis zu vier Wochenenden pro Jahr Arbeit anordnen. Dafür ist normal eine Betriebsvereinbarung mit dem Betriebsrat erforderlich.
  • ArbeitnehmerInnen, die ihre Arbeitszeit frei gestalten können, werden vom Arbeitszeitgesetz gar nicht mehr geschützt.
  • Ein Hauptargument von Schwarz-Blau für das Gesetz war, dass damit die 4-Tage-Woche ermöglicht würde. Tatsächlich gibt es hier keine Änderungen: Es war schon davor möglich, die 40 Stunden Normalarbeitszeit auf vier Zehn-Stunden-Tage zu verteilen. Auch in den allermeisten Gleitzeitverträgen sind Kernarbeitszeiten vereinbart. Die ArbeitgeberInnen müssen also trotzdem zustimmen, wenn man am Freitag freinehmen möchte.
  • Das Vorgehen von Schwarz-Blau bei dem Gesetz war von einem radikalen Drüberfahren geprägt. Mit den Gewerkschaften und der Arbeiterkammer wurde gar nicht verhandelt. Der Gesetzesentwurf wurde als Initiativantrag im Parlament beschlossen, statt als Regierungsvorlage. KritikerInnen wurden “Fake News” und “Hetzerei” vorgeworfen. Ich war selbst im Parlament, als ein FPÖ Abgeordneter BetriebsrätInnen als “Beidln” bezeichnet hat. Diese Verachtung für die VertreterInnen der ArbeitnehmerInnen ist für mich unerträglich.
  • Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist durch dieses Gesetz noch weiter erschwert worden. Besonders Frauen und AlleinerzieherInnen werden besonders benachteiligt. Aus meiner Sicht kann man alle diese Verschlechterungen nur als Verrat an den ArbeitnehmerInnen in Österreich bezeichnen. 

Das sind die gesundheitlichen Folgen

Neben den bereits aufgezählten Verschlechterungen führen die längeren Arbeitszeiten auch zu höheren Gesundheitsrisiken für ArbeitnehmerInnen. Für mich ist klar: Arbeit darf nicht krank machen.

  • Studien zeigen, dass nicht nur die Produktivität bei längeren Arbeitszeiten stark nachlässt, die Konzentration sinkt ebenfalls. Fehleranfälligkeit und Unfallgefahr steigen.
  • Die Lebensqualität leidet massiv. Tagelanger erhöhter Stress ist ungesünder als regelmäßige Regeneration und führt vermehrt zu Erschöpfungszuständen (Burn Out).
  • Beschäftigte, die über längere Zeit mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten, fühlen sich gesundheitlich deutlich schlechter als jene, die 40 Stunden oder weniger pro Woche arbeiten. 
  • Diese Einschätzung betrifft körperliche Beschwerden wie Muskelverspannungen im Nacken- und Schulterbereich, aber auch psychische Beschwerden wie Schlafstörungen oder Erschöpfung.

Das werden wir dagegen tun

Die ganze Debatte rund um den 12-Stunden-Tag hat mich ehrlich gesagt betroffen gemacht. Vor allem die Art und Weise, wie ÖVP und FPÖ über ArbeitnehmerInnen reden, ist für mich als Sozialdemokrat unbegreiflich. Man hat das Gefühl, Schwarz-Blau sieht ArbeitnehmerInnen nur als Kostenstellen und Produktionsfaktoren, die man ausquetschen muss, damit sie noch mehr leisten. 

Die ganze Debatte rund um den 12-Stunden-Tag hat mich betroffen gemacht.

Darum liegt es mir sehr am Herzen, den ArbeitnehmerInnen in Österreich wieder den Respekt zu erweisen, den sie verdienen. Denn ohne Arbeitnehmerinnen kann kein Unternehmen erfolgreich sein. Wir wollen darum den 12-Stunden-Tag und die Verschlechterungen, die er für die ArbeitnehmerInnen bringt, rückgängig machen. Stattdessen fordern wir einen Rechtsanspruch auf die 4-Tage-Woche und eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich. Denn kürzere Arbeitszeiten führen dazu, dass man motivierter und produktiver in der Arbeit ist. Krankenstände und Arbeitsunfälle nehmen ab und die Lebensqualität steigt. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird dadurch erleichtert. Die ArbeitnehmerInnen verdienen sich diese Verbesserungen, denn sie garantieren den Wohlstand in Österreich. Das sollten auch ÖVP und FPÖ endlich kapieren.

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© Wolfgang Spekner

Die 5 wichtigsten Fragen zum 12-Stunden Tag und der 60-Stunden Woche

F: Was bedeutet der 12-Stunden-Tag für mein Einkommen?

A: Bei der Gleitzeit gilt nun eine Normalarbeitszeit von 12 Stunden, fünfmal in der Woche, wer also 60 Stunden in der Woche arbeitet, hat keine einzige Überstunde gemacht und bekommt damit auch keine Überstundenzuschläge.

 

F: Bin ich verpflichtet, 12 Stunden am Tag zu arbeiten?

A: Nur für die jeweils 11. und 12. Stunde gilt ein Ablehnungsrecht der ArbeitnehmerInnen – es hat aber bereits mehrere Fälle gegeben, in denen ArbeitnehmerInnen gekündigt wurden, als sie 12-Stunden-Tage abgelehnt haben. 

 

F: Habe ich dadurch Anspruch auf eine 4-Tage-Woche?

A: Tatsächlich gibt es hier keine Änderungen: Es war schon davor möglich, die 40 Stunden Normalarbeitszeit auf vier Zehn-Stunden-Tage zu verteilen. Auch in den allermeisten Gleitzeitverträgen sind Kernarbeitszeiten vereinbart. Die ArbeitgeberInnen müssen trotzdem zustimmen, wenn man am Freitag freinehmen möchte.

 

F: Ich kann meine Arbeitszeit frei einteilen. Welche Änderungen gibt es für mich?

A: Für ArbeitnehmerInnen, die ihre Arbeitszeit frei gestalten können, gilt das Arbeitszeitgesetz gar nicht mehr. Diese Regelung gab bisher nur für Führungskräfte wie Geschäftsführer oder CEOs in Konzernen – jetzt gilt sie für alle, die „maßgebliche selbstständige Entscheidungsbefugnisse“ haben.

 

F: Ich bin alleinerziehend. Wer kümmert sich um mein Kind, wenn ich 12 Stunden arbeiten muss?

A: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird durch den 12-Stunden-Tag leider zusätzlich erschwert. Vor allem dadurch, dass es nicht genügend Ganztagsplätze in der Kinderbetreuung gibt. Durch eine 4-Tage-Woche und eine Arbeitszeitreduzierung wäre diese Vereinbarkeit besser möglich.

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