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So verbessern wir die Bildungs­chancen für alle

Für Nationalratskandidatin Natali Lujić ist Bildung ein Bereich, in dem in den letzten Jahren und Jahrzehnten viel zu wenig getan wurde, um allen Kindern alle Bildungschancen zu ermöglichen und die Problematik der Bildungsvererbung zu bekämpfen. Sie erklärt in unserem Blog, was aktuell schief läuft und welche Maßnahmen die Bildungssituation verbessern könnten.

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Natali Lujic

Kindergarten und Volksschule - dort, wo alles beginnt

Im Kindergarten wird der Grundstein für den Bildungsweg von Kindern gelegt. Er ist eine entscheidende Bildungseinrichtung, der die Sozialisation und Entwicklung von Kindern maßgeblich prägt. Damit Eltern Familie und Beruf vereinbaren können und zugleich eine hochwertige pädagogische Betreuung der Kinder gesichert ist, ist der Rechtsanspruch auf einen kostenlosen Kinderbetreuungsplatz ab dem ersten Lebensjahr notwendig. Die Nachmittagsbetreuung muss ausgebaut werden – die ÖVP-FPÖ-Regierung in Oberösterreich ging mit schlechtem Beispiel voran und strich die kostenlose Nachmittagsbetreuung: 3.450 Kinder in Oberösterreich wurden seither von der Nachmittagsbetreuung abgemeldet oder auf kürzere Betreuungszeiten umgemeldet. Diese unsoziale Maßnahme hat insbesondere AlleinerzieherInnen getroffen.

“Was wir brauchen, ist eine neue Lern- und Beurteilungskultur und keine Retropolitik von vorgestern”

Gerade in der Kindergartenzeit ist es besonders wichtig, dass Kinder voneinander und miteinander lernen. Vor allem in der Sprachentwicklung ist diese Zeit von großer Bedeutung. Auch Mehrsprachigkeit muss als Chance und kulturelle Vielfalt als Möglichkeit eines Aufwachsens in Zusammenhalt und Vielfalt gesehen werden – nicht als Gefahr.

In den letzten Jahren wurden politische Entscheidungen in der Bildungspolitik getroffen, die weder wissenschaftlich fundiert waren noch einen positiven Nutzen für die Lernenden haben. Das beste Beispiel dafür war die Wiedereinführung der Ziffernnoten in den Volksschulen. Was wir brauchen, ist eine neue Lern- und Beurteilungskultur und keine Retropolitik von vorgestern: Es braucht ein Bildungssystem, das stärken- und nicht defizitorientiert ist und die Kinder und Jugendlichen motiviert, anstatt sie einem permanenten Leistungsdruck einer neoliberalen Gesellschaft auszusetzen!

Ungleiche Bildungschancen - ein Fehler im System

Die Einführung der Deutschförderklassen wurde entgegen jeglicher wissenschaftlicher Meinungen von ÖVP und FPÖ durchgesetzt – eine weitere Maßnahme, die die Integration von Kindern und Jugendlichen mit nicht-deutscher Alltagssprache erschwert. Sie reißt diese Kinder aus dem Klassenverband und nimmt  ihnen die Möglichkeit, gemeinsam von und mit deutschsprachigen Lernenden ihre Sprache zu verbessern. Des Weiteren haben nur die allerwenigsten Schulen die räumlichen und personellen Ressourcen, Deutschförderklassen so umzusetzen, dass sie tatsächlich auch sinnvoll sein könnten. Schwarz-Blau hat in der Vergangenheit gezeigt, dass es kein wirkliches Interesse an der Lösung von Problemen und der Sprachförderung von Lernenden gegeben hat, ansonsten hätte die letzte Regierung auch nicht das Budget des dafür vorgesehenen Integrationsfonds halbiert und auf 40 Mio. Euro gekürzt.

Wir sehen uns an den österreichischen Schulen mit vielen Problemen konfrontiert. Eines davon ist die Tatsache, dass Kinder nicht-deutscher Alltagssprache mehrheitlich Klassen zugeteilt werden, in denen der Anteil der Kinder mit nicht-deutscher Alltagssprache überwiegt und somit eine bewusste Trennung nach Sprache vonseiten der Bildungsinstitutionen betrieben wird. Hier muss es dringend ein pädagogisches Umdenken geben!

Verlassen die Kinder dann endlich die Volksschule, so entscheidet die Wahl zwischen NMS und AHS schon sehr früh darüber, wie der weitere Bildungsverlauf des Kindes aussehen könnte. Der Ruf der Neuen Mittelschulen – insbesondere in den Städten – ist katastrophal, kaum ein Elternteil möchte sein Kind freiwillig an eine NMS schicken. Sieht man sich die Daten des Nationalen Bildungsberichtes an, muss man auch sagen: Zu Recht! Warum? Ganz einfach: AHS-Schülerinnen und AHS-Schüler wechseln zu 95% an eine Schule mit Matura (AHS Oberstufe oder BHS), während der Anteil der Lernenden, die eine NMS besuchen und dann in eine Schule mit Matura wechseln, bei lediglich 44% liegt. Der Schultyp NMS verfehlt sein Ziel, SchülerInnen individuell zu fördern und auf ihre Begabungen und Fähigkeiten einzugehen, somit vollkommen. Beste Voraussetzungen für einen erfolgreichen Schulabschluss sehen anders aus!

Bildungschancen dürfen keine Frage der Bildungsstandes der Eltern sein

Österreich kämpft schon seit Jahrzehnten mit dem Problem der Bildungsvererbung. Das zeigen neue Studien Jahr für Jahr wieder und wieder. Die Bildungschancen hängen zum überwiegenden Teil vom Bildungsstand der Eltern ab und  hier muss es  die Aufgabe der Politik sein, dem entgegenzuwirken und dieses Problem zu lösen! Wir brauchen weitreichendere und radikalere Veränderungen im Bildungssystem als bloße Autonomiepakete oder Namensänderung von Schultypen. Wir brauchen den Ausbau der Ganztagsschule und eine gemeinsame Schule für 10- bis 14-Jährige, die allen Kindern alle Bildungschancen ermöglicht und auf ihre Begabungen und Interessen eingeht. Es braucht eine Schule, die Kinder ab dem 10. Lebensjahr nicht trennt oder von ihnen verlangt, bereits an diesem Zeitpunkt zu wissen, was für einen Beruf sie später einmal ausüben möchten, sondern sie fördert und ihnen Entfaltungsmöglichkeiten und Freiheiten bietet.

Photo by Element5 Digital on Unsplash

Mut zu echter Veränderung

Die Ganztags- und Gesamtschule, das Reduzieren der Anzahl von Lernenden pro Klasse, eine deutliche Erhöhung des Lehrpersonals – insbesondere an sogenannten Brennpunktschulen – und eine wesentlich höhere Finanzierung der Schulen sind lediglich einige wichtige Voraussetzungen für eine gute Bildung für alle Kinder in Österreich. Damit aus diesen Kindern auch kritische und mündige Bürgerinnen und Bürger werden, braucht es aber auch Veränderungen auf inhaltlicher Ebene. Der Ethikunterricht und politische Bildung als eigenes Fach sind beispielhaft als Faktoren für ein progressives Bildungssystem zu nennen.

Unsere Zukunft und die unserer Welt liegen in der Bildung. Die Zeit der leeren Versprechen und Lippenbekenntnisse muss endlich vorbei sein, es braucht jetzt mutige und ehrliche Veränderungen im bildungspolitischen Bereich!

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